Kommentare: 3
  • #3

    Michael (Montag, 30 Mai 2016 21:14)

    Schattenarbeit

    Am Samstag, 28. Mai 2016 konnte ich als Zuschauer die Premiere von "Flüchtlinge contra Deutsche" erleben.
    Ich fasse mich kurz und schreibe auch nur so viel, dass ich nicht erneut und dauerhaft Licht in den Schatten meiner selbst - meines Selbst - bringen muss. Mir soll vorerst genügen festzustellen, dass sich die Akteure in mein Herz gespielt haben um dann und dabei mit beinahe unwiderruflicher Eindringlichkeit das gegenwärtige Geschehen - ihre Schicksale also - verdeutlicht haben.
    Ich wusste nicht, dass sich Autor des Stückes, Regisseur, Dramaturg, Requisiteur und Schauspieler Halvor Boller zusammengetan haben um sich mit einer bisher von der Strinzer Probebühne nicht gekannten Präzision der Psychologie zu bedienen, damit auch niemand, der diesen Abend erleben konnte, unberührt nach Hause gehen kann.

    Auch wenn sich S. Freud und C.G. Jung letztendlich zerstritten haben, so sind hier beide zwischen den Zeilen zu Wort gekommen. Und zwar so, dass Lachen und Selbst an diesem Abend gute, innere Nachbarn gewesen waren.

    Wer die Ab- und Tiefgründigkeit des Stückes auf Grundlegendes untersuchen will (was natürlich nicht sein sollte, denn es könnte von der nahenden Europameisterschaft ablenken!) der sollte also über Freuds Werk zur Funktion des Witzes nachdenken um dann den Gedanken von Jung zum Selbst zu folgen.

    Warum so schlau? Die Schwierigkeiten des Gegenwärtigen lassen sich (natürlich u. a.) recht verständlich mit Hilfe des Schattenprinzips in vielen Facetten mit erklären. Meine eigene innere Problemlage hat durchaus mit Licht und Schatten zu tun. Abgesehen von dem oft irrtümlicherweise als esoterisch abgelegten Begriff des Selbst ist letztendlich doch jeder erleichtert oder sogar erhellt und erheitert (Witz), wenn ihm ein Licht aufgegangen ist.

    Ich habe also zuerst herzlich gelacht ob der fast unerklärlichen Unbekümmertheit der Akteure um dann herzlich verstehend Beifall zu spenden. Hoffentlich hat das die Herzen der Menschen um Halvor Boller ebenso erreichen können wie sie mich an diesem Abend zu sich hinüber gezogen haben.


  • #2

    M.W.Lengyell (Mittwoch, 28 Oktober 2015 22:48)

    Nachtrag zur Vorstellung „Heute keine Vorstellung“ vom 11. September 2015
    Oder: Anmerkungen zum Winterschlaf der Probebühne – gefasst in 3 Thesen
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    1. Die kleine Probebühne ist groß!

    2. Schauspieler zum Anfassen sind besser als Pixel zum Abzählen!

    3. Rechzeitig „Vorhang“ heißt: Fallen bevor Lebkuchen bei Lidl steht!
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    zu 1.
    Die ausgesuchte Einfachheit und die auf den ersten Blick bescheidene Größe des Bühnenraums verlagern Gestaltung und das Bemessen von Größe in den Zuschauer.
    Wie?! Beim Anblick der Bühne darf sich der Sehsinn zunächst beruhigen, kein nicht-notwendiges Requisit beschränkt die Wahrnehmung von Wesentlicherem. Der Zuschauer ist so näher am Raum *. Er darf sich natürlich auch in seiner eigenen Vorstellung (sic!) in den Bühnenraum selbst begeben. Achte er einmal dabei darauf, wie sich der Raum öffnet – also: größer wird! (Die Vorstellung bedarf der Übung, eine Chance meditativer Art gewissermaßen, die uns das Kartenhausensemble anbietet).
    * Wenn es beliebt - zur Vertiefung des hier verwendeten Verständnisses von Raum sei gesagt: Der Bühnenraum ermöglicht erst Akteur und Requisit zu sein und ist an sich selbst nicht fassbar, bietet aber genau dadurch die erwähnte Größenprobe.

    zu 2.
    „Die andere Tür!“ rief ein Zuschauer als der aufgeregte Herr M. in diesem Stück nicht wusste, wie und wo er sein Büro mit den gerade statt gefundenen, unzähligen Telefonaten verlassen sollte. Ohne nähere (mögliche) Untersuchung und ohne tiefere Begründung: Die geäußerte Ergriffenheit des Zuschauers kenne ich nur aus zwei dem Schauspiel verwandten Geschehnissen: A) Aus Länderspielen „Deutschland gegen...“ und B) vom Kasperle-Theater mit Kindern als Zuschauer. Natürlich ist mir eher zufällig nicht entgangen, dass ein mitgeführtes (zweites) Glas Rotwein die Ich-Grenzen des Mit-Zuschauers gelöst hatte. Das soll ja – auch ohne Rotwein – im Theater prinzipiell so sein. Der entscheidende Unterschied von Bühne/Schauspiel und Geschehnis A ist aber, dass Herr M. den Zuruf des Zuschauers aufgegriffen hat. Somit sind Betroffenheiten einer wohltuenden Lösung zugeführt worden. Bei Variante A rollt der Ball aber unabhängig vom Zuschauer – der Zuruf prallt von der Pixel-Platte (sie ahnten es: Fernseher) ab; allenfalls dringt er ins Ohr der Lebensgefährtin, so jene die Stunden auf sich nimmt. Bekanntermaßen werden die Ich-Grenzen beim Fernsehen durch unbewusstes und zugleich vergebliches Bemühen, die Pixel zu einem wirklichen Bild zusammenzufügen, auch rasch aufgelöst. Nur: Hier wird dann Werbung plaziert – im Schauspiel kam es zu einem Austausch von Mensch zu Mensch!
    3. Ich hoffe, dass der Winterschlaf des Kartenhausensemble, der Probebühne mithin so wie jener der Natur dann auch zur rechten Zeit ein Ende haben wird. Bis dahin sind die manchmal sicher schwierigen Zeiten zu bestehen, wie mir (und Ihnen) ja bekannt ist. Immerhin ist das Kartenhausensemble mit „Heute keine Vorstellung“ und auch anderen Aufführungen, die ich sehen durfte, den Lebkuchenbäckern zuvor gekommen. Nicht nur die Verkaufsstrategen haben mit den übervollen Regalen bereits Ende September einen Anker gesetzt (um in deren Terminologie zu bleiben) – auch das Kartenhausensemble hat sich auf erfreuliche Weise bei mir verankert. Bei Ihnen doch auch – habe ich gesehen und so hoffe ich, es gibt eine neue Spielzeit und: Die knappen 30 Plätze reichen dann aus!

    M.W. Lengyell

    PS: Und wenn einmal Ihre Wahrnehmung der vorhin beschriebenen Art von Bühnengröße nicht so recht gelingen mag (Ehekrach, Krise allgemein, Steuernachzahlung u.ä.) versuchen Sie es einfach einmal mit folgender Vorstellung (vor der Vorstellung, natürlich!) und „hören“ in dieses Bild hinein: (In Anlehnung an eine Zen-Weisheit): „Wie klingt einhändiges Applaudieren?“




  • #1

    Brigitte Kraus (Sonntag, 07 Juni 2015 14:22)

    Ja wie soll ich anfangen, hörte nur den Staubsauger brummen, war das das Klingelzeichen zum Anfang.
    Dann waren die Stühle noch nicht am richtigen Platz, Halvor lief hin und her zwischendurch Handy Anruf von Klaus, der nicht rechtzeitig kommen konnte. So mußte er sein Publikum beruhigen, dass Klaus später kommt. Dann endlich machte er den roten Vorhang zur Seite und sein Arbeitszimmer kam zum Vorschein. Lustig und streßig ging es weiter. Ein netter abend ging ganz schnell zu Ende und alle schmunzelten als, sie die Hühnerleiter wieder verließen. Prima gemacht ich sage gute Nacht.

 

 

 

 

aus vielen kann etwas großes entstehen,

 

auch wenn es immer wieder mal zusammenfällt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Man darf nur nicht den Mut und die Hoffnung verlieren,

 

dann behält man wenigstens die Chance.

 


 


 

 

 

 

Und wenn aus 1 + 1

mehr als zwei wird,

 

hat man etwas erreicht!